Archiv für Oktober 2009

these walls are thin

suppenkasper, klassenclowns, gescheiterte alleinunterhalter und studenten mit „medien“ im studienfach, sie alle eint eins; die erkenntnis, dass in zeiten von web 2.0 der adequate platz für notorisch unterbeachtete selbstdarsteller der blog ist. man versucht dabei jedoch meist, wie es für diesen schlag menschen üblich ist, das eigene verlangen hinterm berg zu halten und das nach aufmerksamkeit haschen in form von (vermeintlich) intelektuellen wortmeldungen und beiträgen zum tagesschehen (oder in der blogsport variante zum linken geschen) zu äußern.
ganz anders und viel besser, beim könig der selbstdarsteller, bild-chefredakteur KD. sowohl der bisher vorhande inhalt als auch der aufbau des blogs sprechen eine deutliche sprache, hier geht es um KD KD und nochmal KD. er stellt somit einen wunderschönen funken offensiv ausgetragener egozentrik in einem meer der mittelmäßigkeit und bedeutungslosigkeit dar.

Kai, wir schreiben das Jahr 2009. Es gibt geschätzte 100 Millionen Blogs auf der Welt. Toll, dass Du jetzt auch schon auf den Gedanken kommst. Nur: Warum? Geht es um öffentliche Anerkennung?

Ich bin einfach unheilbar eitel. Deshalb halte ich es ja auch für eine gute Idee, Interviews mit mir selbst zu führen…
Es geht eher um öffentliche Aberkennung. taz, Süddeutsche, Spiegel usw. bemühen sich redlich, werden mir aber einfach nicht gerecht – ich bin viel, viel schlimmer! Und nicht nur ich, die anderen auch. Eine Sekunde lang habe ich deshalb überlegt, einen Medienteil in BILD zu starten. Aber was dafür rauswerfen? Post von Wagner? Storys über Katzenbenzin? Feuilleton wie „60 Jahre, 60 Bilder“? Die Mieze? Never. Deshalb ein Blog. Spart auch Papier.

für dieses enlightenment of the day dankt die redaktion.

flashing red lights means go

portugal. the man am 15.11 im knust in hamburg.

groß

moving to new york

alljährlich wird in deutschlands möchtegern metropole frankfurt während der buchmesse der friedenspreis des deutschen buchhandels verliehen. wo der name des besagten preises bereits übles erahnen lässt da verdeutlicht sich beim ort der veleihung, der frankfurter paulskriche dass das böse verdacht sich wohl erhärten wird. denn wenn in deutschland der ruf nach frieden mit dem spirituellen segen christlicher einrichtungen verbunden wird, dann sollte dem selbst dem abgneigtesten zuschauer klar sein, hier wird deftig aufgetischt. folgerichtig erhielt der italienische schriftsteller claudio magris, dem eben jenes wohl die liebste beschäftigung ist, den friedenspreis. wagemutig ist er einer von vielen millionen friedensfreunden europas, die sich stehts als selbsternannte minderheit ihrer schier übermächtigen feinde in form von bös kleingeistigen nationalstaaten und dem vermeintlich zu ökonomisch geprägten europäischem staatenbund entgegenstellen. der „engagierten Visionär der kulturellen Identität eines zukünftigen Europa“ und gegner der unzähligen kriege die seit dem zweiten weltkrieg stattfanden, zählt zu eben diesen auch den „dritte Weltkrieg“.
dieser habe, so claudio magris, geschätzten „20 Millionen Tote nach 1945“1 verursacht, welche aber „im Unterschied zu denen des Zweiten Weltkriegs, so gut wie unbekannt“ bleiben würden und man möchte hinzufügen, vermutlich wegen westlicher arroganz und dieser ganzen opfergruppen sache nach dem zweiten. wie so oft bei dem frieden zugeneigten europäischen und insbesondere deutschen geistern, verweisst die naivität in der wortwahl, denn böse ist herr magris den opfern des zweiten weltkrieges wohl kaum, auf die erschreckende simplizität des denkens. denn in europa gehe heute ein gespenst des populismus um, dass sich, so will es magris wohl ausdrücken, in einer irgendwie vorhanden ungeduld gegenüber dem gesetz ausrücke. was dieses gespenst nun sei, das wird nicht konkretisiert, aber eins wissen wir ja alle, das hat was mit der ökonomie zu tun die offensichtlichen wiedersprüche in der eigenen denke, werden durch die form der lax aneinandergereihten vorwürfe kaum wahrgenommen, denn was magris vorträgt trifft den zeitgeist mitten ins herz. zwar ist der amtierende präsident der usa, auch ein friedenspreisträger, mal wieder jemand der das bedürfnis nach dem guten welt-souverän zumindest ansatzweise zu erfüllen scheint und dessen retorisches geschick sich wohl eben wie dass von herrn magris mehr in form von hoffen und hoffnung machen äußert, doch dem guten und friedfertigen europäer ist europa immer noch der liebste friedenspolizist.
doch nicht nur mit seinem traum vom „geeinte[n] Europa […] – natürlich dezentralisiert“ als friedensmacht, liegen die verbalen einwürfe des herrn magris auf der linie der freunde der guten und netten welt.
passend zu der polemik gegen ein vermeintlich zu ökonomisches europa, bringt magris auch den furror gegenüber dem partikularen in der gesellschaft zum ausdruck, wenn er fordert das individualrecht und gemeinwohl miteinander gedacht werden müssen. was aber passiert, wenn dem wirklich einmal konsequent gefolgt werden würde, dass mag man sich selbst in den übelsten träumen kaum vorstellen. denn utilitaristisches denken als staatsräson, der zugriff auf die freiheit jedes einzelnen zum wohle des restes, ist etwas das zum glück durch die vielgescholtene repräsentative demokratie noch verhindert werden kann.

  1. zitate nach http://www.szon.de/news/kultur/aktuell/200910181173.html [zurück]