Archiv für Juli 2009

decent days and nights

sommerpause

who do you think?

während interpol am neuen album schrauben um den anspruch auf die definitionsmacht über gute musik ein weiteres mal zu untermauern, releast paul banks, stimme und gesicht interpols, am 4.august ein kleines appetithäppchen. unter dem namen julian plenti kommt, zumindest in den usa, julian plenti is… skyscraper in die läden. ein vorgeschmack gibt es mit fun that we have schonmal als kostenlosen download bei matador und der track macht lust auf mehr, sowohl von julian plenti, als auch von interpol. denn, wer hätte es anders erwartet, man hört die ähnlichkeit.
etwas mehr lo-fi, etwas langsamer, dezentes picking und ganz viel von seiner begehrenswerten stimme.
mehr davon…

la belle et la bete

rally

Seit dieser Zeit wird er nicht müde und berichtet unerbittlich über die Ungerechtigkeiten in dieser Welt die er, der große Steinberg, ganz alleine entdeckt hat. Ob einer in die Elbe kackt, einer auf dem Kiez davon träumt eine Bauchtanzshow zu etablieren, oder in der Sahara eine Wanderdüne unterwegs ist, Steinberg weiß wer daran Schuld hat. Und da er gerne betont, dass er jüdische Großeltern sein Eigen nennt, nimmt man ihm alles unbesehen ab, wenn er erklärt, dass an allem Unglück in dieser Welt die USA, Israel, die Neoliberalen, oder die Frau Merkel Schuld hat. Schließlich ist der Mann eine Koryphäe und bestimmt ein politischer Gefangener der BRD, die man hier Dutzendfach in Stammheim inhaftiert hatte.

band of brothers über die wirrungen eines notorisch wahrheitsresistenten und seiner freunde.

they are building walls around us

es ist ein herrliches gefühl, das knistern des tabaks und des papiers beim entzünden, der erste zug der bedächtlich die lungen fühlt und ein kribbeln (und natürlich nikotin in rauhen mengen) durch den körper jagt. die erste cigarette am am morgen gehört, genauso wie kaffe, zu den festen ritualen einer immer weiter prekarisierten menschen gruppe und es ist, möchte man hinzufügen, ein wunderbares ritual. doch es hat einen langen und beschwerlichen weg, voller missverständnisse und irritationen hinter sich, der, so scheint es, im gesundheitswahn der europäischen gesellschaften endgültig zertreten werden könnte. wieso eigentlich?
die cigarette ist aus- und genusszeit, sie ermöglicht jedem unabhängig von alter, race, geschlecht für fünf minuten zu versinken in einer welt der annehmlichkeiten. sie beruhigt zwar nicht wissenschaftlich, sie beruhigt aber konkret. sie ist, um mit worten von oscar wilde zu sprechen „the perfect type of perfect pleasure. It is exquisite, and it leaves you unsatisfied. What more can you want?1. egal ob gedreht, gestopft, oder aktiv, die cigarette ist überall erhältlich, schnell zur hand und im handumdrehen wird aus der wartezeit auf den bus, in den fünf minuten vor dem nächsten seminar, in einer kurzen pause während der schicht ein moment der freiheit im genuss. eine freiheit die umso vollkommener ist, destso „gefährlicher“ sie gebrandmarkt wird. doch wie so oft, mischt sich die politik und die gesellschaft in bereiche ein, in denen sie nichts zu suchen haben, in denen sie aber schon immer und zu allen zeiten etwas zu suchen haben wollten. es ist die tendenz der gesellschaft „ihre eigenen Ideen und Praktiken als Lebensregeln denen auzuerlegen, die eine abweichende Meinung haben, die Entwicklung in Fesseln zu schlagen, wenn möglich die Bildung jeder Individualität, die nicht mit ihrem eigenen Kurs harmoniert, zu verhindern und alle Charaktere zu zwingen, sich nach ihrem eigenen Modell zu formen2. als mehr als nur scheinheillige begründung für den über die stränge schlagenden raucherhass, wird offiziell der sog. nichtraucherschutz angegeben. es sei hier zugestanden, dass dieser, sei er wissenschaftlich noch so absurd, sicherlich einigen menschen wirklich am herzen liegt. letzendlich aber, so zeigt es sich gerade in jenem gesellschaftlichen verhalten jenseits behördlicher praxis, ist er nur vorwand für die spießbürger und autoritären charaktere loszuschlagen, ihren schon immer empfunden hass gegen die individuelle freiheit3, an dem gestus des cigaretten rauchens auszulassen. ihre wut über jenes, inzwischen, nonkonforme verhalten, an vermeintlicher geruchsbelästigung aufzuhängen, um schwitzend und stinkend dem raucher einen vortrag darüber zu halten, dass sie es ja wären, die ihm später seinen krankenhausaufenthalt bezahlen würden. es sind jene menschen, denen individualismus ein schmipfwort und freiheit eine absurde vorstellung ist, die schweigende merheit, die so wenig schweigsam ist wenn man ihnen gegenübersteht und die doch so wenig zu sagen hat. was john stuart mill im neunzehnten jahrhundert bereits als gefahr der demokratie begriff, die tyrannei der mehrheit, entlarvt sich heute in der tyrannei der gesundheit, als altes paar schuhe in neuer farbe. es ist der versuch der gesellschaft in meinem lebensstil einzugreifen und an meiner stelle für mich festsetzen zu wollen was ich zu tun und zu lassen haben, um ein besserer mensch zu werden.
doch wem genuss heilig und freiheit ein gut ist, der wird auch weiterhin zur cigarette greifen und all jenen neidern und hatern gelassen ein bläuliche dunstwolke ins gesicht blasen können, in dem wissen ausnahmsweise auf der richtigen seite zu stehen.

  1. in: oscar wilde; the picture of dorian gray [zurück]
  2. john stuart mill; über die freiheit [zurück]
  3. hier sei angemerkt, dass gerade gsp-jünger dem in nichts nachstehen. [zurück]